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SPD feiert Wiedergründung vor 20 Jahren

Veröffentlicht am 26.01.2010 in Allgemein

Wolkenstein: „Allem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Unter diesem Motto trafen sich am Samstag, den 23. Januar 2010, die Mitglieder der SPD Ortsvereine Großolbersdorf/Wolkenstein und Pobershau/Marienberg, um in einer Feierstunde an die Wiedergründung der SPD vor 20 Jahren zu erinnern, die damals noch SDP hieß. ...

In einer emotionalen Rede schilderte Dr. Horst Neumerkel, wie er im Januar 1990 zu ersten Kontakttreffen demokratisch interessierter Menschen einlud. „Eine meiner Sprechstundenschwestern, die mit dem Pinsel deutlich besser umgehen konnte als ich, malte mir einige Plakate, die ich dann in die Fenster meiner Großolbersdorfer Arztpraxis stellte. Mit Aufrufen wie: „Für ökologisch orientierte soziale Marktwirtschaft.“, „Für Entmilitarisierung der Gesellschaft.“ und „Für freie Medien öffentlichen Rechts“ war der Wind der Demokratie auch in unserer Region angekommen - und bald gab es auch bei uns einen Runden Tisch“, erinnert sich der heute 73-jährige Wolkensteiner.

Getragen von dem Wunsch einer Abkehr von der Politik der SED und der mit ihr verbündeten Blockparteien CDU und Bauernpartei sowie LDPD, NDPD (heute FDP) trafen sich immer mehr Bürger der Region, um neue Politikangebote in die Tat umzusetzen.
Ohne Infrastruktur und Mitgliederstamm aber dafür voller Enthusiasmus waren die ersten Mitglieder des SDP-Ortsvereines dabei, die Strukturen der Sozialdemokratie im Osten Deutschlands wieder aufzubauen.
Für dieses Engagement erhielten mehrere Gründungsmitglieder aus der Region Großolberdorf/Marienberg/Wolkenstein am Samstagabend aus der Hand von Wolfgang Tiefensee eine Ehrenurkunde für 20-jährige Mitgliedschaft.

Tiefensee, den die Sozialdemokraten als Ehrengast begrüßen konnten, schilderte seine Erlebnisse aus dem Leipziger Wendeherbst 1989. „Ich ziehe heute noch den Hut vor den Menschen, die den Mut hatten, eine sozialdemokratische Partei in der DDR zu gründen. Die Bildung von Gruppen wie „Bündnis 90“ oder „Demokratie Jetzt!“ konnten SED und Blockparteien noch als eine Art Verein abtun. Die Gründung einer Partei wie der SDP hingegen war eine offene Kampfansage, weil dadurch die Machtfrage gestellt wurde“, hob Tiefensee, der sich in der Wendezeit zunächst bei „Demokratie Jetzt!“ engagierte, noch einmal die Bedeutung der SDP Gründung 1989 für die friedliche Revolution hervor.

Der ehemalige Leipziger Oberbürgermeister und Chef des „Forums Ostdeutschland“ schaute aber nicht nur zurück, sondern blickte auch nach vorn. „Unsere SPD ist die einzige deutsche Fortschrittspartei. Vor allem für die Bildungsgerechtigkeit müssen wir uns mit ganzer Kraft einsetzen. Alle Kinder müssen unabhängig vom Elternhaus alle Chancen zur persönlichen und beruflichen Entwicklung haben. Es muss Schluss damit sein, dass sich eine vermeintliche Elite nur aus sich selbst rekrutiert“, stimmte Tiefensee die Genossen auf die Herausforderungen der kommenden Jahre ein. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass diese Ziele nur durch einen in jeder Hinsicht handlungsfähigen Staat zu erreichen sind und nicht mit Lobbypolitik, wie sie CDU und FDP mit Mehrwertsteuersenkungen für Hotels, längeren Laufzeiten für Atomkraftwerke und Steuergeschenke für Besserverdienende derzeit an den Tag legen.