B

Fachleute warnen vor Stärkung gewinnorientierter Träger in der Kindertagesbetreuung

Veröffentlicht am 03.06.2008 in Bundespolitik
Anlässlich eines Fachgesprächs der Arbeitsgruppe Familie, Senioren, Frauen und Jugend erklären die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Christel Humme sowie die jugend- und familienpolitische Sprecherin Caren Marks:

Schlechtere Qualität, soziale Entmischung und noch größere Ungleichheit in der Bildung - diese fatalen Nebenwirkungen kann die von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen beabsichtigte stärkere Förderung privat-gewerblicher, gewinnorientierter Träger in der Kindertagesbetreuung haben. Das zeigen Erfahrungen aus Ländern, die verstärkt auf gewinnorientierte Träger gesetzt haben. Die Qualität dieser Kitas ist im Durchschnitt schlechter als die von gemeinnützigen, so die Vertreterin der Bertelsmann-Stiftung, Antje Funcke. Außerdem könnten die frühe Förderung und Integration besonders von benachteiligten Kindern leiden. Die Teilhabe aller Kinder an qualitativ guter frühkindlicher Bildung und Betreuung geriete in Gefahr.

Denn die privat-gewerblichen Träger schaffen hinaus nur dort Angebote, wo sie Gewinne erwarten, also in dicht besiedelten Regionen mit hoher Kaufkraft. Ländliche oder finanzschwache Regionen gehen leer aus. Auch das lehrt uns ein Blick ins Ausland ebenfalls.

Auch das von-der-Leyen-Argument, unsere ehrgeizigen Ausbauziele in der Kinderbetreuung seien nur mit privat-gewerblichen Trägern zu erreichen, überzeugt die Sachverständigen nicht. Was, wenn ein privatgewerblicher Träger keine Gewinne erzielen kann und seine Einrichtungen schließt? Ein verlässlicher, nachhaltiger und qualitativ hochwertiger Ausbau ist so nicht zu schaffen.

Australien hat in der Kinderbetreuung besonders auf gewinnorientierte Träger gesetzt. Diese bieten mittlerweile sieben von zehn Plätzen an, es gibt große, börsennotierte Betreuungsketten. Eine dieser Betreuungsketten ist in schwieriges Fahrwasser geraten. Bei einem möglichen Bankrott droht, dass ein großer Teil des Kinderbetreuungsangebots wegfällt. Tausende von Eltern zittern jetzt um die Kitaplätze ihrer Kinder.

Mit der stärkeren Förderung von gewinnorientierten Trägern in der Kinderbetreuung ist Ministerin von der Leyen auf dem Holzweg. Es droht der Ausverkauf der frühen Förderung aller Kinder zugunsten von privaten Gewinninteressen. Deshalb streben wir eine Änderung des Kinderförderungsgesetzes an dieser sensiblen Stelle im parlamentarischen Verfahren an. Denn wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sind überzeugt: Wir brauchen bessere Qualität in der Kinderbetreuung, Chancengleichheit in der Bildung und ein verlässliches Angebot in ganz Deutschland.

Quelle: www.spdfraktion.de