Die SPD- Bundestagsfraktion prüft gesetzliche Regelungen zum Schutz der Praktikanten. Grund sind zwei Petitionen an den Bundestag. Bei den Hauptpetenten handelt es sich um eine Einzelperson und um eine Petition des DGB. Mehr als 100.000 Personen unterstützen die Petitionen, die auch im Internet diskutiert werden. Im Kern geht es bei den Petitionen um die Forderung, die Situation von Hochschulabsolventen zu verbessern, die sich immer öfter gezwungen sehen, unbezahlte Praktikumstellen anzunehmen, um den Einstieg in das Berufsleben zu schaffen.
Zwar gehören Hochschulabsolventen noch immer zu den privilegierten Gruppen auf dem Arbeitsmarkt, aber sie leiden unter der angespannten Situation und kämpfen oft monatelang um einen gesicherten Berufseinstieg. Es gibt private und auch öffentliche Arbeitgeber, die diese Situation ausnutzen und reguläre Jobs durch prekäre Arbeitsverhältnisse ersetzen. Häufig reihen sich mehrere Praktika aneinander, so dass die Betroffenen in eine Dauerwarteschleife geraten. Der eigentlich Sinn und Zweck eines Praktikums wird damit ad absurdum geführt. Praktika gehören in die Ausbildung oder ins Studium.
Darum sollte die Abgrenzung von Praktika und Arbeit klarer gestaltet werden. Dazu gehören etwa ein schriftlicher Vertrag und eine Beschreibung der Tätigkeiten im Praktikum. Weiterhin ist die Dauer von Praktika ein zentraler Punkt. Je länger ein Praktikum dauert, desto wahrscheinlicher wird, dass der Arbeitsanteil steigt und der Lernanteil sinkt. Ein Akademiker ist nach über sechs Monaten Beschäftigung in einer Werbeagentur wohl kaum noch als Praktikant zu bezeichnen. Auch eine Höchstdauer von Praktika muss diskutiert werden.
Über 100.000 Unterstützer der beiden Petitionen, die aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der Freien Universität Berlin, sowie zahlreiche Erfahrungsberichte: all das macht hinreichend deutlich, dass es neben vielen sinnvollen und fairen Praktika auch so genannte Scheinpraktika gibt, in denen Absolventen als billige Arbeitskräfte ausgebeutet werden. Darüber hinaus sind von diesem Problem offenbar nicht nur Hochschulabsolventen betroffen, sondern vermehrt auch Schulabgänger und Absolventen einer beruflichen Ausbildung
Ziel der SPD-Bundestagsfraktion ist jedoch, sinnvolle und faire Praktika nicht durch neue Regelungen zu behindern. Die Rede von der "Generation Praktikum" verdeckt die Tatsache, dass es sich in der Mehrzahl um unterstützenswerte Praktika handelt, die Einblicke in die berufliche Praxis vermitteln und die Beschäftigungschancen erhöhen. Umso wichtiger ist, dass die Rechtslage mit Augenmaß verbessert und die Ausbeutung von Absolventinnen und Absolventen bekämpft wird.