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Demokratiepreis 2005 verliehen

Veröffentlicht am 14.12.2005 in Allgemein

Ehrung geht an Bewerber aus Leipzig, Döbeln, Bischofswerda, Bautzen, Löbau und Zwickau – Bewerberin aus Netzschkau erhält Sonderpreis

Dresden. „Dass die Bäume der Ewiggestrigen im Sächsischen Landtag nicht in den Himmel wachsen, dafür steht – nach anfänglichen Startschwierigkeiten – mittlerweile die breite und entschlossene Front der fünf demokratischen Fraktionen. Weit schwieriger ist hingegen der Kampf um die Köpfe zu gewinnen. Demokratie, Toleranz, Antifaschismus … kann man weder befehlen, noch in Parlamenten beschließen“, so SPD-Fraktionschef, Cornelius Weiss in seiner Rede zur Verleihung des Demokratiepreises 2005 der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Aus aktuellem Anlass sei die diesjährige Preisverleihung deshalb unter das Motto: „Demokratie lernen und leben“ gestellt worden. Unter den fast 50 Bewerberprojekten und Einzelpersonen wurden insgesamt acht Preise vergeben. (siehe Anhang) „Wir wollen – im europäischen Jahr der politischen Bildung – all jene ehren, die sich der gesellschaftlichen und politischen Bildungsarbeit verpflichtet fühlen. Wir wollen all diejenigen ehren, die unsere demokratischen Werte täglich vor Ort verteidigen.“ Die SPD-Landtagsfraktion hat den Preis für besonderes Engagement in diesem Jahr bereits zum 4. Mal ausgelobt. Die Abgeordneten der Fraktion hatten dafür insgesamt 4000,- Euro gespendet.

1. Preis – 1000,- Euro - Jugendinitiative „Jugendkultur für Bischofswerda“
Angefangen hat es damit, dass eine Gruppe von Schülern des Goethe-Gymnasiums Bischofswerda und der Kreismusikschule Bautzen ihr Können der Öffentlichkeit präsentieren wollte. Daraus entstand eine Konzertreihe und damit die ersten „Bischofswerdaer Kulturtage“. Das war im Jahr 2004. In diesem Jahr wurden die „Kulturtage“ erneut aufgelegt, diesmal mit einem Spektrum von Jazz über Klassik, Rock und Chormusik bis hin zu Literatur und Theater reicht. Für das Jahr 2006 haben sich die Initiatoren ein ganzes „Kulturjahr“ vorgenommen. Ihr großes Ziel ist es, Bischofswerda zu einer „Stadt der Jugendkultur“ zu machen - über die Kulturtage hinaus. Die Jugendinitiative zeigt, dass junge Menschen sich einbringen können und wollen und das durch Begegnung und Eigeninitiative die lokale Identität gestärkt werden kann, sie zeigt auch, dass junge Menschen, sich nicht damit abfinden wollten, dass Jugendkultur in ihrer Stadt nicht wahrgenommen wird.

1. Preis - 1000,- Euro - Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention/ Leipzig
Als erste sächsische Kommune hat die Stadt Leipzig das Problem „Rechtsextremismus“ für sich erkannt und Geld in die Hand genommen, um rechtsextremistischen Tendenzen bereits in den Anfängen zu wehren. Am 1. April 1999 nahm die Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention ihre Arbeit auf. Die Fachstelle organisiert für Schulen und Jugendeinrichtungen vielfältige Projekte im präventiven Bereich. Sie ist Ansprechpartner für Einrichtungen, die mit rechtsextremen Einstellungen junger Menschen konfrontiert sind. Dabei geht es auch darum, alternative Jugendkultur zu unterstützen. Neben Weiterbildungen und Fachkongressen richtet die Fachstelle unter anderem die „Kinderrechtstagung Leipzig“ aus. Kinder und Jugendliche diskutieren während der Tagung über ihre Anliegen und ihre Wünsche an die Kommunalpolitik und benennen Defizite aus ihrer Perspektive.

2. Preis – 500,- Euro - Seniorenkabarett „Die Unverbesserlichen“/ Leipzig
Die Initiative entstand 1993. Mittlerweile haben die Senioren 12 verschiedene Programme auf die Beine gestellt und fast 400 Auftritte hinter sich. Mit ihren Texten, die die Senioren selbst verfassen, wollen sie die Zuschauer ermuntern sich einzumischen. Humorvoll und satirisch greifen die fünf Kabarettisten und eine Pianistin tagespolitische Themen auf. Die Senioren begegnen so –auf ihre Art – der allgemeinen Politikmüdigkeit. Übrigens - zusammen sind die Kabarettisten 440 Jahre alt.

2. Preis – 500, - Euro - Oberlausitz – neue Heimat e.V./ Löbau
Der Verein ist bemüht, Migranten, die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und politischen Leben zu ermöglichen. Die Schritte, die dabei zu gehen sind, sind anfangs klein. Beginnend mit Sprachtraining und gemeinsamen kulturellen und sportlichen Aktivitäten ist es das erklärte Ziel des Vereins, über solche Einstiegsangebote, die Migranten in örtliche Vereine zu integrieren. Besonders engagiert sich der Verein für jugendliche Spätaussiedler. So gibt er z.B. die Zeitschrift „Impuls Plus“ heraus. Themen und Artikel werden in gemeinsamer Arbeit von einheimischen Jugendlichen und jugendlichen Spätaussiedlern ausgewählt und geschrieben. Um dem wachsenden Rechtsextremismus und der Fremdenfeindlichkeit zu begegnen, organisiert der Verein Workshops, bei denen sich Einheimische und Spätaussiedler näher kommen.

2. Preis – 500,- Euro - Bildungsförderwerk ARBEIT UND LEBEN Sachsen gGmbH - Leipzig
In der Demokratie ist die eigene Meinung, die man auch äußern kann, ein hohes Gut. Aber eine eigene Meinung zu haben ist nicht selbstverständlich und Kritikfähigkeit unabdingbare Grundlage dafür. Das müssen auch junge Menschen früh lernen, damit sie zu demokratiefähigen Erwachsenen werden. Das Bildungsförderwerk ARBEIT UND LEBEN hat zusammen mit den Schülern der 8. Klassen des Humboldtgymnasiums in Leipzig an drei Tagen das Projekt „ Das Selbe in Grün“ durchgeführt. Themen waren Asyl und Migration aber auch Globalisierung. In dem Projekt setzten sich die Schüler selbst bestimmt mit den Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt und der Notwendigkeit von couragiertem Verhalten auseinander.

3. Preis – 250,- Euro - Jugendtheater Döbeln e. V.
„Wende dein Gesicht zur Sonne“ ist der Titel eines, noch in der Entwicklung befindlichen, Theaterstücks des Projekts, dem wir einen 3. Preis zugedacht haben. Die Sonne steht hier für Kraft, mit den Widrigkeiten des Lebens positiv umzugehen. Das angesprochene Theaterstück sensibilisiert für die Themen Gewalt, Solidarität und Zivilcourage. Mit der Unterstützung von Manfred Decker, dem Leiter des Hauses in Döbeln des Mittelsächsischen Theaters, ist hier aus Eigeninitiative etwas gewachsen, das mit Kreativität versucht, auf gesellschaftliche Realität zu reagieren.

3. Preis – 250,- Euro - Clara-Wieck-Gymnasium Zwickau
Die Ausstellung „Sterilisation und Euthanasie während des Nationalsozialismus“, erstellt von Schülern des Clara-Wieck-Gymnasiums in Zwickau, macht exemplarisch deutlich, wohin Rassenwahn führt und wie wichtig der Schutz der Menschen ist, die sich nicht selbst schützen können. Gleichzeitig wird durch den regionalen Bezug erkennbar, dass die Barbarei nicht nur in den KZs stattgefunden hat, sondern auch ganz in der Nähe. Am Erbgesundheitsgericht in Zwickau wurden vermutlich 5000 Fälle von Sterilisation verhandelt. Die Ausstellung erinnert aber auch an Menschen, die sich der Maschinerie in den Weg gestellt haben.

3. Preis – 250, - Euro - Margarete Nowak/ Bautzen
Frau Margarete Nowak ist ein Beispiel dafür, wie auch Einzelne, wenn sie nur genug Mut und Geduld aufbringen, in ihrem Umfeld sehr viel Positives erreichen können. Besonders am Herzen liegen ihr die Kinder aus Tschernobyl, für die sie seit 1990 Aufenthalte in der Lausitz organisiert. Für Kinder aus dieser Stadt, die durch den Unfall 1986 zum Synonym für die Gefahren der Atomkraft wurde, sind diese Wochen in Deutschland die Möglichkeit, neue Kraft zu schöpfen. Dabei ist Frau Nowak unermüdlich im Einsatz, um den Kindern ihren Aufenthalt so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Frau Nowak hat durch unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz viel erreicht und auch davon lebt die Demokratie – vom Engagement Einzelner, die sich um das Wohl anderer kümmern, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Ein Sonderpreis geht an die 84 jährige Margarete Hoyer aus Netzschkau. Frau Hoyer hat in mühevoller Arbeit über viele Jahre hinweg ihre Erlebnisse aus dem 2. Weltkrieg in einem Buch mit dem Titel: "Darüber darf kein Gras wachsen" aufgeschrieben. Die Fraktion wird das Buch im nächsten Jahr herausgeben.

Quelle: SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag

 
 

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