In einem Staatsakt hat der Bundestag am Donnerstag der kürzlich verstorbenen legendären SPD-Politikern Annemarie Renger gedacht. Er würdigte insbesondere ihre Verdienste und Wirken für die deutsche Demokratie.
In einem Staatsakt hat der Bundestag am Donnerstag der kürzlich verstorbenen legendären SPD-Politikern Annemarie Renger gedacht. Er würdigte insbesondere ihre Verdienste und Wirken für die deutsche Demokratie.
Renger sei eine "Kämpferin für Frieden, Freiheit und Gerechtig-keit" gewesen, hob Gerhard Schröder, der ehemalige Bundeskanzler und frühere SPD-Vorsitzende, in seiner Rede hervor. Annemarie Renger starb Anfang März im Alter von 88 Jahren. Sie war 37 Jahre lang Mitglied des Bundestages und 1972 bis 1976 die erste Frau und Sozialdemokratin im Amt des Bundestagspräsidenten und an der Spitze eines Parlamentes weltweit.
Ihr Leben gleiche einem Geschichtsbuch, stellte Schröder fest. Er erinnerte an ihre sozialdemokratischen Wurzeln. Ihre Eltern engagierten sich in der Arbeiterbewegung. Ihr Vater wurde deshalb im Hitlerregime verfolgt. Sie musste das Gymnasium verlassen. Abscheu habe sie empfunden, als sie als 14-Jährige in Berlin Adolf Hitler applaudieren sollte. Sie habe nie verstanden, wie Frauen und Mütter dem "Scharlatan Hitler" verfallen und Söhne und Männer in den Krieg verabschieden konnten. Im Krieg habe sie ihren Mann und drei Brüder verloren, und trotz dieser Verluste sei sie bereit gewesen, "den Kampf für eine bessere Zukunft aufzunehmen" und für "ein anderes Deutsch-land" zu kämpfen, betonte Schröder. Vielmehr sei dies sogar Ansporn gewesen für ihr politisches Handeln.
Der ehemalige Bundeskanzler erzählte eine Anekdote, die er erlebt hatte, als sie ihn freundlich, aber bestimmt ermahnte, bei der Kanzlerwahl 1980 eine Krawatte zu tragen. Hierin zeige sich ihr legendäres Achten auf Äußerlichkeiten, auf korrekte Kleidung im Parlament als "Zeichen des Respekts" vor den Institutionen der Demokratie. Der Verlust dieses Respekts sei in ihrer Jugend eine schmerzhafte Erfahrung gewesen.
Die SPD sei zu recht stolz auf Annemarie Renger, für die ihre Partei nie eine politische Interessenvertretung, sondern eine Gemeinschaft von Gleichgesinnten gewesen sei. In der Politik habe sie immer das Gemein-wohl über Einzelinteressen gestellt. "Wir nehmen Abschied von einer außergewöhnlichen Frau, die eine ganze Epoche in der Geschichte unseres Landes verkörpert hat", würdigte Altkanzler Schröder in Anwesenheit von Bundespräsident Köhler, Bundeskanzlerin Merkel und Rengers Familie.
Rengers Werdegang:
Annemarie Renger, 1919 in Leipzig in eine sozialdemokratische Familie geboren, war nach dem zweiten Weltkrieg Privatsekretärin und engste Vertraute des damaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher. Nach dessen Tod begann sie selbst politisch aktiv zu werden und zog in den Deutschen Bundestag ein. 1972 bis 1976 war sie die erste Sozial-demokratin und erste Frau an der Spitze des Parlaments: Ihr Ziel hatte sie damit erreicht, es war "bewiesen, dass eine Frau das kann", hatte Annemarie Renger in der Rückschau ihre Motivation erklärt.
1979 war sie SPD-Kandidatin bei der Wahl zum Amt des Bundes-präsidenten, unterlag damals aber Karl Carstens. Bis 1990 war sie Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, blieb aber auch nach ihrem Rückzug aus dem Parlament bis zu ihrer schweren Erkrankung für mehr als 20 Organisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund als Vorsitzende aktiv.
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