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Rede des Abg. Martin Dulig zum Thema "Astronomie als Unterrichtsfach"

Veröffentlicht am 24.01.2007 in Allgemein

Dresden. "Da wir uns zum wiederholten Mal mit dem Thema "Astronomie" als Unterrichtsfach beschäftigen, ist vieles schon gesagt und muss nur das wiederholt werden, was für die Entscheidung über den Antrag wichtig ist. Ich meine damit, dass es für alle sicher unumstritten ist, dass Astronomie als Fach viele Potenzen in sich birgt. Die Frage, die sich aber sofort stellt, ist, ob Astronomie das einzige Fach ist."

"Allein wenn ich auf die Geografie schaue, dann sehe ich da wenigstens die gleichen Potenzen. Denn Geografie ist ja bei weitem mehr als "Erdkunde". Sie vereint die zwei großen Bereiche der Physischen Geografie und der Anthropogeografie. Der erste Bereich umfasst als Disziplinen Geo-, Klima-, Boden-, Hydro- und Vegetationsgeografie; der zweite Bevölkerungs-, Siedlungs-, Wirtschafts-, Politische und Historische Geografie. Wenn man so will,, umfasst die Geografie als Disziplin alle Natur- und Gesellschaftswissenschaften. Damit will ich nur sagen, dass es auch andere Fächer neben der Astronomie gibt, die zumindest das gleiche Potential haben. Es muss nicht wiederholt werden, dass die Lehrpläne verbindliche Bezüge aus astronomischen Inhalten aufweisen und darüber hinaus die neue Lehrplangeneration offen für weitere Themen und Problemstellungen auch astronomischer Art ist. Wenn es einen guten Astronomielehrer an der Schule und ein entsprechendes Interesse der Schüler gibt, dann kann die Schule in einer intensiven Projektwoche "Astronomie" bei entsprechender Vorbereitung in den beteiligten Fächern wahrscheinlich einen ähnlichen, vielleicht sogar nachhaltigeren Bildungseffekt erzielen, als wenn die Stunden über das Schuljahr verkleckert werden. Wenn ein Fach als 1-Stunden-Fach neben vielen anderen Fächern erteilt wird, dann ist es ein Fach mehr, auf welches ein Schüler seine Aufmerksamkeit und sein Interesse im Verlauf der Woche verteilen muss. Wir wissen mittlerweile durch die modernen Erkenntnisse der Bildungswissenschaften recht genau, warum das so ist und dass wir die Lernprozesse in der Schule doch besser etwas anders organisieren sollten. Statt die Vielzahl der Fächer zu erhalten oder zu vermehren - man könnte mit guten Gründen weitere Fächer fordern wie Gesundheitsbildung, Medienkunde, Persönlichkeitspsychologie - legen uns diese Erkenntnisse über das Lernen eher nahe, die Fächer zusammenzufassen und ganzheitlicher, problem- und weltbezogener zu vermitteln. Natürlich führt das auch immer wieder zu einer systematischen Behandlung eines einzelnen Faches. Aber es ist nicht die Aufgabe der Schule, die Wissenschaften den Schülern systematisch zu vermitteln, sondern es ist die Aufgaben auch auf der Grundlage systematischen Wissens in den Fächern den Schülern eine grundlegende, umfassende und exemplarisch vertiefte Lebenskompetenz ausbilden zu lassen. Damit bin ich - das haben Sie ja von mir erwartet - wieder beim Thema einer veränderten Lernkultur, der wichtigsten Aufgabe und Herausforderung, vor der wir nicht nur im sächsischen Schulwesen stehen. Die Veränderung der Lehrpläne geht eindeutig in diese richtige Richtung. Und wenn wir hinsichtlich des Aspektes des weltbezogenen und damit notwendigerweise fächerübergreifenden Lernens ernst machen wollen, dann ist es kaum dienlich, dies wieder mit einzelnen Fächern zu tun. Die Reduzierung der Zahl der Fächer ist ein richtiger Schritt. Natürlich ist er auch eine Verpflichtung und ein Auftrag an das Kultusministerium, nämlich den Wandel der Lernkultur offensiver zu betreiben, die Schulen hierbei stärker zu unterstützen und auch den administrativen Rahmen entsprechend anzupassen. Aber nur weil wir hier Defizite sehen, werden wir doch nicht in die andere Richtung gehen. Nur weil die Astronomielehrer eine gute Lobbyarbeit geleistet haben, werden wir doch nicht unsere Überzeugungen über Bord werfen. Ich erwähnte die mögliche Einführung eines Faches "Gesundheit". Was meinen Sie wie leicht ich für dieses Fach - was es immerhin noch gar nicht gibt - für eine breite Unterstützung von allen Seiten bekommen würde. 100 Professoren wären sicher schnell geworben. Verantwortliche Politik muss sehr wohl auf die öffentliche Meinung hören, aber wenn sie sie einfach nur nachvollziehen würde, dann brauchten wir kein Parlament und dann würden wir die politische Macht ganz schnell und gänzlich an die Massenmedien abgeben. Ich glaube nicht, dass dies am Ende einer der hier anwesenden Demokraten wirklich will. Insofern werden wir aus den oben ausgeführten und in der letzten Diskussion zum Thema genannten Gründen dem Antrag nicht zustimmen. Wir sehen aber die Diskussion um den Astronomie-Unterricht als einen Auftrag an das Kultusministerium, den Prozess des Wandels der Lernkultur insgesamt zu beschleunigen und hinsichtlich der Astronomie die Schulen verstärkt auf die Möglichkeiten entsprechender Projekte zu verweisen, in deren Rahmen dann auch gut und effizient der Besuch einer Sternwarte eingebunden werden kann. Des Weiteren wollen wir von dieser Stelle aber auch alle Schulen ermuntern, im Rahmen ihres Ganztagsangebots für interessierte Schüler astronomische Kurse anzubieten. Damit wird am Ende auch der Astronomie nachhaltigere Verbreitung gesichert, als durch ein reguläres 1-Stunden-Fach. Ja - und auch die bedrohten oder sich bedroht fühlenden Astronomielehrer fänden in diesem Rahmen sicher genug Arbeit und Aufmerksamkeit durch die Schüler."

 
 

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